kapitulation

30. März 2007

Klein Alklohol is hauch Heine Lesung

Gespeichert unter: Onkel Ralf, aac, bilder, text — kapitulation @ 7:28

der 16jährige schüler, der sich mit 52 tequila ins koma verabschiedete, hat den löffel abgegeben. ziemlich flapsig, wie? aber was soll man sagen. saufen für den regenwaldwir machen fast alle unsere grenzerfahrungen mit drogen. es ist statistisch gesehen kein glück, wenn einem nichts schlimmes widerfährt. vielmehr ist es pech, wenn dabei jemand auf der strecke bleibt.
und der junge mann stammt aus zehlendorf, nix soziale unterschicht. asozial (oder sagt man heut tatsächlich dissozial) sind nach meiner auffassung gastronomische angebote á la flatratesaufen. „all inclusive“ offerten lassen touristen in aller herren länder den großteil ihres urlaubs im speisesaal verbringen und sinnlos weiter verfetten, oder eben auch junge menschen jedes maß beim saufen verlieren. und wenn man dann auch noch zu viel alkohol verträgt, stehen die zeichen schlecht.
rauschdrogen gehören praktisch in alle kulturen dieser welt. der ruf nach neuen, härteren gesetzen ist unsinn, der ruf nach legalisierung der de facto volksdroge haschisch wird von den verantwortungsträgern der gesellschaft absorbiert.
das hauptargument gegen das kiffen – gesundheitsrisiko
ich lach mich schlapp. mal abgesehen vom alkohol, was hat der supermarkt denn so zu bieten? fast food (ich übersetz mir das gern mit fast nahrung), tabakwaren, süßkram in hülle und fülle, das aus meiner sicht ethisch mehr als fragwürdige fleisch aus industrieller tierproduktion (viel und billig muss es sein, kein respekt vor der kreatur), wie überhaupt all die in den lebensmittellaboren designte und an fließbändern entstehende nahrung mit so lustigen inhaltsstoffen, denen ein kleines e voran steht, gefolgt von einer zahl, oder die, trotz schädlicher ingredienzen, unter bestimmten voraussetzungen gar nicht gekennzeichnet werden müssen.
das nächste argument – warum noch eine droge mehr?

warum nicht?, möchte man fragen. vielfalt, nicht einheit, hat der schöpfer auf den plan geschrieben. vielen menschen ist der thc-rausch ein deutlich angenehmerer als der durch alkohol initiierte. dazu macht marihuana nicht physisch abhängig, ein großer vorzug gegenüber z.b. alkohol und nikotin.
weiter – haschisch die einstiegsdroge
fast jeder heroiniker hat im vorfeld seiner suchtkarriere mal hasch geraucht. es sieht so aus, als wäre der gemeine kiffer im erklärungsnotstand. aber mal abgesehen davon, dass auch fast jeder drogenabhängige alkohol getrunken hat, wie kommt man denn hierzulande an kiffzeug? illegal, über einen dealer. und dieser dealer hat oft noch mehr im sortiment als hanfprodukte. warum nicht mal das andere zeug probieren? würde hanf legaliesiert, müsste ein dealerkontakt für die gefährlicheren drogen explizit befördert werden. man darf davon ausgehen, dass der konsum solcher harten drogen durch dieses heraufsetzen der hemmschwelle zurück gehen würde. und vielleicht auch der alkkonsum. womit man bei wirtschaftlichen interessen der alkoholherstellenden industrie wäre, deren lobby sehr wahrscheinlich die wiederkultivierung, ausbreitung und legalisierung der in vielerlei hinsicht interessanten hanfpflanze mehr fürchtet als die höhere besteuerung von alkopops und zeug.

es gäbe noch so viel zu sagen, aber nicht heute. und es ist auch nicht alles so glatt, wie das bei der lektüre dieses artikels womöglich erscheint.

liebe kinder – der falsche, meint vor allem, maßlose umgang mit drogen (legal, illegal, scheißegal) ist gefährlich!

ich frage mich jetzt nur noch, was mein alphabet als code wohl dazu sagt?

haschisch(78) = atem(39) + gebet(39)
haschisch(78) = erotik(78)
alkohol(74) + erotik(78) = weltschmerz(152)
kANn daS AlleS zUfalL seIN?

26. März 2007

Alle Ehren wert

Gespeichert unter: Onkel Ralf, aac, bilder, text — kapitulation @ 16:08

berlin hat ein baby. ein ehrenbaby, war ‘ne schwere geburt. im kreißsaal, der etymologisch ja vom kreißen (kreischen) kommt, war die hölle los. ein geschrei, vom feinsten. und jetzt ist es da, das wölfchen. im osten noch bissig und mit moral, im westen der ewige ddr-dissident, mit allem, was dazu gehört. eins muss sich biermann aber nicht vorwerfen lassen, dass er im alter weise geworden wäre. immer noch die gleichen, blöden, „was bin ich wichtig“ sprüche. im vorfeld der verleihung der ehrenbürger-geschichte hat er z.b. im fernsehinterview die spd-pds-koalition „schlimmer als ein verbrechen, nämlich einen fehler“ bezeichnet. man, ich konnte tagelang nicht schlafen (nur nachts) bei so viel scharfsinn. ist er ein schaf im wolfspelz? ich finde nicht. biermann bemängelt z.b., dass deutschland 2003 nicht teil der „coalition of the willing” geworden ist. er meinte, wenn deutschland und frankreich da mitgemacht hätten, wär saddam freiwillig abgetreten – idiot. und das, wo amiland das gute, alte kz, wenn auch exterritorial, wieder salonfähig macht. man sollte wissen, biermanns vater ist 1943 in auschwitz umgekommen.
ob ehrendoktor, ehrenbürger oder ehrenvorsitzender der wichtigtuer und sprücheklopfer, ich wünsch dir noch ‘ne schöne restzeit, weil du für den osten schon wichtig warst.

aber jetzt: biermann(76) = nebensache(76)
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25. März 2007

Sommerzeit

Gespeichert unter: Onkel Ralf, aac, bilder, text — kapitulation @ 9:57

die uhren gehen wieder anders in europa, besonders in deutschland. schon gegen mitternacht öffnete sich das tor und ein fahrzeug der anstalt brauste in die dunkle nacht. macht es sinn, die verfolgung aufzunehmen, mag sich der eine oder andere wartende journalist gefragt haben? es hätte sich nicht gelohnt, ein ablenkungsmanöver. gegen 02:00 (03:00) verließ ein weiteres fahrzeug das gelände. und diesmal hätte sich die verfolgung gelohnt, aber weil wohl alle mit dem umstellen ihrer zeitmesser zu kämpfen hatten und mit dem gedanken: „wenn ich meine uhr nicht umstelle und morgen wie gewohnt zur arbeit geh, bin ich dann eine stunde zu früh oder eine stunde zu spät?“ (die lehrerin meiner tochter hatte schon mal unrecht), haben sie es verpasst. anyway, brigitte mohnhaupt ist draussen, bilder von ihrer entlassung scheint es nicht zu geben. und selbst das gesunde volksempfinden scheint im wochenende zu sein. bild, focus und consorten halten sich einigermaßen zurück. irgendwie sind wir alle zu satt, um an die nächste generation raf zu glauben.

edit 26.03.07 – das angesprochene gesunde volksempfinden war wirklich im we. heut ist frau mohnhaupt „die schlimmste terroristin“ bei bild. geht doch!

rank xerox, so oft kopiert
in jeder zeitung findet sich dein gesicht, mein gesicht
in der stadt
auf dem amt
im bullenbüro
im chinarestaurant
auf dem fahndungsplakat
(by hans-a-plast)

chaos(46) + gericht(70) = erlösung(116) = mohnhaupt(116)

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24. März 2007

Worte und Zahlen

Gespeichert unter: Onkel Ralf, aac, bilder, text — kapitulation @ 12:47

am büchergrabbeltisch ist mir ein buch ins auge gestochen. auf dem cover so eine art matrix, in der den buchstaben von a bis z die zahlenwerte 1 bis 26 zugeordnet werden.

natürlich braucht man solche bücher nicht. und man wird sie auch niemals lesen. weggeguckt. was anderes in die hand genommen. aber irgendwie ertappe ich mich beim immer wieder hinschielen. und um mir nicht die augen zu verderben beim heimelichen lesen, hab ich das buch dann aufgenommen. ‘n bisschen den covertext studiert, wie immer „ja, nee, is klar“ gedacht und dann doch geblättert. so ein schwachsinn. den wörtern einen zahlenwert geben und dann über bestimmte rechenoperationen in relation bringen. na, ich kanns ja erst mal kaufen, kost ja nicht die welt. und jetzt hab ich das buch ein paar tage, und ganz, ganz selten bereitet es mir ein bisschen freude. danke,

Christian Reder
Das Alphabet als Code
Wörter und Zahlen
erschienen bei KOMET


das waren gut angelegte 3€ (ungefähr)
aus der buchbeschreibung:
als kriminalroman über buchstaben lesbar, als parabel über ein berechnen ebenso. oder schlicht und einfach als codiertes wörterbuch, kombiniert mit essays zur kulturgeschichte der schrift. ,wörter und zahlen behandelt – analog zur physik – buchstaben als elementarteilchen. schrift wird statisch betrachtet, ihr zeichencharakter gewinnt an kontur. zahlen können zum sprechen gebracht, wortbeziehungen anders gesehen werden. bei spinoza, poe, freud, duchamp, luhmann oder anderen welterklärungsansätzen aufgespürte de-codierbare bedeutungsebenen machen, unabhängig von nachweisbaren absichten, deutlich, was das alphabetsystem von sich aus durch impulse, paradoxe fragen und ironische kommentare leisten kann . höchst intelligente und vergnüglich irritierende perspektivenwechsel zwischen codierungsverfahren, geheimschriften, kabbala, mustererkennung und strukturalistischen, künstlerischen, philosophischen zugängen. wenn buchstaben als zahlen behandelt werden, erzeugt das alphabet von selbst gleichungen, die wie kalkuliert erscheinen.

ein hoch auf die geisteswissenschaften!

ps: neues label aac = alphabet als code
zu erkennen an

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